
Da unser Heft nur alle halbe Jahre erscheint, einige unserer Autoren aber vor schöpferischer Kraft und Mitteilungsdrang schier platzen, haben wir die BiS-Files eingerichtet, wo die Autoren alles kundtun können, was ihnen gerade durch den Kopf geht - ja, man könnte sagen, daß die BiS-Files so eine Art Ur-Blog sind, entstanden in einer Zeit, als es das Wort "Blog" noch gar nicht gab.
Im Moment geben sich hier die Ehre unsere Schreiber Brachland, Bös, Der leere Eimer, Elffriede, Heyoka, Kasimira und Z.
Hier sind die Einträge von Z vom 21.09.2009 bis zum 19.06.2010. [Ältere Einträge]
Daikaiju und der moderne Haushalt
Hilferufen dringt aus der Küche in mein Gelehrtenkämmerlein. Ich werfe den Federhalter in die Ecke und stürme über den Flur. Ein Bild des Jammers: mein Mitbewohner, wie er mit erlahmenden Kräften gegen das seit Jahrzehnten fies verkrustete Backblech kämpft. Da, er sinkt matt zu Boden! Jetzt bleibt mir nur noch eine Wahl.
Mit einem Donnerschlag verwandele ich mich in KÜCHENGODZILLA. Der Dielenboden erbebt unter meinen mächtigen Tritten, als ich zur Spüle stapfe. Ich stoße ein kehliges Gozillakreischen aus, daß die Gläser im Regal klingeln. Meine Klauen packen das Blech: jetzt gibt es kein Entrinnen mehr. Mein Rückgrat ist mit Stahlwollschrubbern besetzt, aus meiner Kehle speie ich heiße Spülmittelstrahlen. Das Backblech hat nicht die geringste Schangse gegen Küchengodzilla, Gegenwehr ist völlig sinnlos.
Schließlich ist die Schmutzarbeit verrichtet. Ich verwandele mich zurück, die Topfschrubber gleiten von meinem Rücken. Befriedigt setze ich mich auf den mit silbernem Klebeband geflickten Küchenstuhl und betrachte die Spuren der messerscharfen Klauen Küchengodzillas, die sich über die Dielen ziehen. Jetzt ein kühles Bierchen! Mein Mitbewohner packt Kartoffeln, Zwiebeln und Tomaten auf das Blech. Dann stoßen wir auf Küchengodzilla an.
Programmänderung
Die Volkshochschulleitung teilt mit:
Der Vortrag von J. Holzwinckel, "Einwürfe in der Tiefe des Raumes: Die Abseitsregel im hermeneutischen Diskurs der Moderne", fällt leider aus.
Ersatzweise doziert F. Zapperthek über "Die Vuvuzela: Die späte Rache des schwarzen Kontinents."
(Vortrag mit praktischer Demonstration. Volkshochschulgebäude, Saal 2, 17:30 Uhr. Keine Haftung für Gehörschäden.)
Halbherziges Loblied auf eine Spülmaschine
Ich finde dich toll,
Spülmaschine.
Du summst und brummst und machst meinen Frühstücksteller sauber
und läßt das Wasser rhythmisch rauschen.
Du bist ein unscheinbarer Kasten, ganz in Weiß
(von durchaus eleganter Proportion)
und ich finde dich ganz schön toll, habe ich das schon erwähnt?
Nach zehn Minuten macht es *klack*, dann fällt das Spülmitteltab aus der Klappe
und dann geht's richtig los mit kräftigen Schwimmzügen.
Ich schau dir gern beim Werken zu. Nach einer Stunde oder so
(kann auch rascher gehen, du mißt automatisch den Verschmutzungsgrad des Spülwasser;
du bist ganz schön hochentwickelt, das find' ich toll)
springt das eine rote Lämpchen um, dann herrscht Ruhe.
Und nach nochmal vierzig Minuten dann nochmal, dann bist du fertig.
Find ich super, wie du das gemacht hast.
Zwar ist manches Geschirr noch ein wenig feucht, wenn du fertig bist,
aber ich will hier ja nicht rummeckern, sondern schöne Dinge über dich sagen. Also egal. Dafür hast du die beste Energieeffizienzeinstufung und überhaupt, und ich muß nur ganz selten Salz nachfüllen, oder höchstens mal Klarspüler.
Jedenfalls finde ich dich spitze. Vor allem auch, weil ich so ne faule Sau bin.
Ich krieg's ja noch nicht mal hin, auch nur den Anflug einer ordentlichen Gedichtparodie zu fabrizieren, und schreib deine Anrede auch noch klein.
Aber wenn Kaffeemaschinen schon Lobeshymnen verdient haben,
dann du erst recht.
Jedenfalls bist du die Beste für mich.
Das mit den Spinatresten könntest du noch besser machen, aber egal, ich hab dich trotzdem lieb.
Sein jüngster Fall
Ihre Ohren rochen nach Zitrone, doch sie stritt alles ab.
Aprilscherzmitteilung
Der von langer Hand vorbereitete, liebevoll geplante und gemeinsam von der Redaktion aus echter Schafwolle gestrickte Aprilscherz wurde heuer aufgrund der schlechten Wirtschaftslage meistbietend versteigert und zwischen Bild-online und heise.de aufgeteilt; die Reste reichten immer noch für einen Schal für Tante Elise. Vom Gewinn wurde bereits die erste Rate auf ein neues Paar Pantoffeln für den Redaktionsdiener angezahlt, was die Qualität unseres Magazins im nächsten Quartal um mindestens 12% steigern sollte. Da läßt sich das Fehlen eines Aprilscherzes gewiß verschmerzen.
[##Wenn der Setzer in "verschmerzen" wieder mit komödiantischen Klammern herumpfuscht, gibt's diesmal aber mit dem groben Kantholz. Red.]
Fit für's geeinte Europa der Zukunft
Heute in unserer Küche polnischen Handwerkern zwei Stunden lang beim Fluchen zugehört. In Decke eingelassener, unter Verkleidung verborgener, nahezu unzugänglicher Rollladenkasten mit Kettenantrieb Meisterwerk deutscher Handwerksknaupkunst. Interkulturelle Kommunikationskernkompetenz gestärkt; fühle mich bestens gerüstet für zusammenwachsendes Europa.
Führen diese Beobachtungen unweigerlich zu dem Schluß ...
Wenngleich man den Stock im Arsch nicht mit Rückgrat verwechseln sollte, dient er doch manchem als akzeptablen Ersatz für dieses.
Rumgeschtonkere
Wenn im Feuilleton der Süddeutschen der Rezensent einer gedruckten Reportage über die Abenteuer eines strammen Faschisten und späteren SS-Mannes im brasilianischen Urwald anno 1935 von den "fast übermenschlichen Anstrengungen" dessen kleiner Mannschaft spricht, dann sehe ich zum ersten sofort Uwe Ochsenknecht als fieberwirren Prof. Dr. Fritz Knobel vor mir und denke mir zum zweiten: Beim Führer damals hätt's sowas nicht gegeben.
