
Da unser Heft nur alle halbe Jahre erscheint, einige unserer Autoren aber vor schöpferischer Kraft und Mitteilungsdrang schier platzen, haben wir die BiS-Files eingerichtet, wo die Autoren alles kundtun können, was ihnen gerade durch den Kopf geht - ja, man könnte sagen, daß die BiS-Files so eine Art Ur-Blog sind, entstanden in einer Zeit, als es das Wort "Blog" noch gar nicht gab.
Im Moment geben sich hier die Ehre unsere Schreiber Brachland, Bös, Der leere Eimer, Elffriede, Heyoka, Kasimira und Z.
Der große Fortsetzungsroman
_106. Kleine Geschichte einer großen Frau
Agnes Mehlhorn leuchtet in die Rumpelkammern ihrer Vergangenheit hinein, in Zimmer voller Kleinbürgerglück und Unglück. Dort war sie geboren, jene Kammern kannte sie, in ihnen sollte sie dem Tod begegnen.
Dass sie Anlageberater und Mietliebhaber in eleganten Hotels empfängt, hat nicht nur damit zu tun, dass ihr Talent, ihr Gesangstalent, auf einer handwerklichen Grundlage ruht, dass sie zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort war (ihr Spitzname: Agnes Überall!), dass ihre Stimme wie Kartoffeln oder Nudeln schmeckt. Agnes Mehlhorn, alias Agnes Meier-Mehlhorn, trägt ein Naturlächeln, eines, das alle betört, eine Lache, die niemand überhört.
Impressario Sparkrampf sprach: Ich mach
mich reich. Und Agnes versprach er: In einem halben Jahr kennt dich die Welt!
Ohne Tricks, ohne Hochschlafen?
Richtig, nickte Sparkrampf und dachte: Das kostet dich Hunderttausend extra pro Jahr.
Die Maschine, in die er sie warf, schuftete wie ein Bankpräsident. Das Leben veränderte sich wie Hundehaufen im Regen. Ihr Lächeln eilte Agnes zu Hilfe. Es überbrückte Altes mit Neuem. Wann immer sie wollte, schlüpfte Agnes Meier-Mehlhorn in die Haut der Agnes Mehlhorn zurück. Und wenn sie kein Verehrer umbringt, wenn die Flugwerkzeuge unter ihrem Hintern nicht aus allen Wolken fallen, dann wird das Volk noch ihr Rentnerlächeln lieben.
