Da unser Heft nur alle halbe Jahre erscheint, einige unserer Autoren aber vor schöpferischer Kraft und Mitteilungsdrang schier platzen, haben wir die BiS-Files eingerichtet, wo die Autoren alles kundtun können, was ihnen gerade durch den Kopf geht - ja, man könnte sagen, daß die BiS-Files so eine Art Ur-Blog sind, entstanden in einer Zeit, als es das Wort "Blog" noch gar nicht gab.

Im Moment geben sich hier die Ehre unsere Schreiber Brachland, Bös, Der leere Eimer, Elffriede, Heyoka, Kasimira und Z.

Ein Umbruch

Im Kontor herrschte heute morgen große Trauer. Als ich beschwingten Schrittes und unter frohem Lupfen meines Hutes um punkt 6.25 Uhr die Schreibstube betrat, dem Laufburschen eine milde Kopfnuss verabreichte, meine rindslederne Aktentasche auf mein Schreibpult knallte, dass die Butterbrotdose darin schepperte, und den Hut mit elegantem Schwung auf den Kaminsims schleuderte - als ich, kurz gesagt, mich anschickte, einen ganz gewöhnlichen Arbeitstag zu beginnen, fiel es mir plötzlich auf.
Wo sonst die Tastaturen klappern, Stubenhockerlungen rasseln und Bürokratengelenke quietschen, wo Kunden und Dienstboten und Geschäftspartner umherhasten und gestikulieren, wo Männer mit roten Gesichtern von Dreiecksgeschäften mit Fußleisten und Gummipfropfen, von komplizierten

Transaktionen über Mittelsmänner in Feuerland und Usbekistan und von kiloschweren Aktienkäufen schreien - dort herrschte heute morgen eine trübe Stille.
Ich versuchte es noch mit einem Witz über einen Schaffner mit defekter Knipszange und einen Mathematiker, die beide von einer Blondine in einem Opel Manta nach Emden chauffiert werden, doch noch ehe ich zur Pointe gelangen konnte, flüsterte mir mein Schreibpultnachbar die schreckliche Nachricht ins Ohr, und ich verstummte augenblicklich.
Unser abenteuerliches Kontorleben war Vergangenheit, wie mir mit bleiernem Grausen klar wurde.
Denn seit heute morgen ist, so hat es die Regierung beschlossen, Sozialismus. (am 28.07.2010 von Heyoka) · #Direktlink zum Versenden