Lesung in der „Hobbythek“ in Wien am 8. Dezember 2001

Nachdem wir in Deutschland bereits den Rundfunk und die Presse erobert hatten, uns jedoch ein Live-Auftritt im echten Leben in unserem Heimatlande verwehrt geblieben war, beschlossen wir, unseren Siegeszug im europäischen Ausland auf eine neue Ebene zu hieven: in Österreich – und dort selbstverständlich im sagenumwobenen unvergleichlichen Wien!

Die Macher des phantastischen österreichischen Magazins „monochrom“ und die Wiener Zeichnerin Elffriede organisierten für uns einen Auftritt in der damaligen „Hobbythek“ und erklärten sich sogar bereit, uns auf der Bühne zu unterstützen. Mit am Start war überdies die Dortmunder Band „Baffles Description“.

Es wurde ein toller Abend – und Zeit zur Erkundung Wiens blieb auch noch.

Hier nun die Fotos von Tokl mit Kommentaren von Heyoka sowie zwei Pulitzer-Preis-verdächtige Berichte von James Blond und Fromp.

  • Der Auftakt

    Vorschau: Auftakt Da leider die Kamera in ebenjenem Auto lag, aus welchem wir uns kurz nach unserer Ankunft in Wien mit Bravour ausgesperrt hatten, konnten die anschließenden emsigen und von den Passanten teils milde belächelten, teils argwöhnisch beäugten Versuche, den Wagen aufzubrechen, nicht fotographisch dokumentiert werden.
    Als Ersatz dient dieses Phantombild, welches uns die Wiener Gendarmerie freundlicherweise zur Verfügung stellte, nachdem wir sie mit 28 Kaffeespezialitäten bestochen hatten.
  • Wien auf den Punkt gebracht

    Vorschau: Wien auf den Punkt gebracht Der Bummel durch Wien war aus fotographischer Sicht nicht sehr ergiebig – Plattenbauten, Asphalt, Getreidesilos am Horizont und mürrische Einheimische mit grauen Parkas und Moonboots.
    Daher entschloss sich der Fotograph, ein Motiv zu finden, welches in eher symbolischer Weise das Wiener Lebensgefühl und die eigentlichen Sehenswürdigkeiten darzustellen vermag. Das obige Foto tut dies vortrefflich (es geht selbstverständlich um das linke Plakat im Hintergrund).
  • Der Aufbau

    Vorschau: Der Aufbau Nach nur dreieinhalbstündiger Parkplatzsuche, welche auf einen Umkreis von ca. 46 Kilometern um die „Hobbythek“ ausgedehnt wurde, konnten wir endlich unsere tonnenschwere Ausrüstung in das Lokal hieven und sodann daran gehen, jeden nur irgend verfügbaren Quadratmilimeter im etwa 40 Quadratmeter großen Raume mit Lesepult, BiS-Heften, Lautsprecherboxen, Verstärkern, Klavier, Werkzeugkästen, Nähmaschinen und großen Stanzen zuzustellen, um so eine eventuelle Zusammenrottung von Schau- bzw. Hörlustigen bereits im Keime zu ersticken.
    (v.l. Tokl, Dagmar und James Blond)
  • Heyoka

    Vorschau: Heyoka Noch leicht gereizt durch die pausenlosen Esoterik-Attacken seitens Fromp, welcher ihm, einem gestandenen Atheisten, mit seinem Gefasel von früheren Leben als Kreuzritter, buddhistischer Mönch etc. auf die Nerven ging, entschied sich Heyoka, die große Hoffnung im deutschsprachigen Schriftsteller- und Comiczeichnertum, bei seinen Vorträgen für eine ausgewogene Mischung aus Splattergeschichtchen und Texten aus dem Splatterbereich.
  • Fromp

    Vorschau: Fromp Ohne auf die Warnungen seiner Redaktionskollegen zu hören, ließ Fromp, kaum dass er sich des von ihm selbst in fünfmonatiger Arbeit zusammengezimmerten Lesepultes bemächtigt hatte, eine Flut von kryptischen Reimen, hermetischen Satzungeheuern, mystischen Zahlenrätseln und Fragmenten auf das vollkommen wehrlose, unvorbereitete und daher entsprechend entgeisterte Publikum los.
    Nur seiner ihm nach eigenen Worten angeborenen Autorität verdankt er es wohl, dass die Zuhörer sich nicht in alle Winde zerstreuten.
    (Im Vordergrund sieht man Keyboarderin Dagmar bei dem Versuch, dem Publikum durch akkustische Signale die andernfalls nicht erkennbaren Pointen, Höhepunkte und Enden in Fromps Darbietungen anzuzeigen.)
  • Unser Publikum (1)

    Vorschau: Unser Publikum (1) Wie deutlich zu sehen ist, dauerte es nicht lange, bis in der anheimelnd eingerichteten Lokalität die Stimmung den Siedepunkt erreichte. Man kann dies deutlich daran erkennen, dass die sonst für ihre Morbidität und Todessehnsucht berühmten Einwohner der Donaumetropole auf diesem Bilde weder Rasierklingen noch Pistolen oder Tablettenampullen schwingen oder sonstigen Suizidversuchen nachgehen. Die scheinbare Lethargie ist als Abwesenheit von Depression zu verstehen und deutet daher auf ein seltenes Wohlgefühl bei unseren Wiener Zuhörerinnen und Zuhörern hin.
  • Unser Publikum (2)

    Vorschau: Unser Publikum (2) Hier nun ist der Gipfel der Begeisterung seitens unseres Publikums dokumentiert. Die – wie man bei genauem Hinsehen bemerkt – zum Teil leicht hochgezogenen Mundwinkel bei den Gästen unserer Lesung sind der Ausdruck einer Euphorie, wie sie für Wien einzigartig gewesen sein dürfte. Diese ungewohnte Gemütsverfassung ist allerdings für die sonst sich in ganz anderen Seelenlagen bewegenden Wienerinnen und Wiener gleichzeitig sehr anstrengend. Dem Körper wird bei dieser Frohsinnsarbeit alles abverlangt, und so mancher ist dieser Strapaze nicht gewachsen (wie z.B. der Herr mit dem roten Pullover im Hintergrund).
    Die hilfsbereite BiS-Crew hat vorsorglich Papier zum Schweißabwischen bereitgestellt, wie man deutlich sieht.
  • Unsere Ausrüstung

    Vorschau: Unsere Ausrüstung Jeder Profi im Showgeschäft wird bestätigen, dass erstklassige Darbietungen nur mit einer erstklassigen Ausrüstung möglich sind. Alles muss stimmen. Alles muss perfekt und solide sein. Alles muss sofort zur Hand sein. Ein Rad muss ins andere greifen. Für jeden erdenklichen Fall muss man gewappnet sein.
    Ein Blick in unsere Ausrüstungskiste verdeutlicht, dass dies ein Irrglaube ist.
  • Tokl

    Vorschau: Tokl Seinen Erfolg als Reinschmeißer bei unseren Lesungen verdankt Meister Tokl nicht nur seiner schier biblischen Körperkraft, sondern auch und vor allem seinem stechenden, kalten, alles durchdringenden „Spiel mir das Lied vom Tod“-Blick, welcher gerade zu fortgeschrittener Stunde und nach dem Verzehr eines „Großen Schwarzen“ (den er als Ergebnis seines kläglichen Versuchs, einen ganz normalen Kaffee zu bestellen, serviert bekam) sowie einiger Dutzend Flaschen viertklassigen Bieres besonders gut zur Geltung kommt.
  • Grenzfurthner

    Vorschau: Grenzfurthner Den tragischen Abschluss des Abends bildete der Auftritt des ehedem aufgeweckten, strebsamen und absolut soliden Johannes Grenzfurthner. Der junge Herausgeber von „monochrom“, des Gemeindeblattes der römisch-katholischen St.-Josef-Jugendgemeinde Wien und Umgebung bot – ganz offensichtlich stark angegriffen durch die geradezu unterirdisch niveaulosen Zoten der BiS-Vertreter – ein Bild des Schreckens: mit unsicherem Gang und fahrigen Gesten schlich der sonst vor Gesundheit und Lebensfreude strotzende Jungredakteur in Richtung Lesepult. Und anstelle des erwarteten Beitrages zum Thema „Kommunion und Akne – was tun?“ intonierte er mit leiernder Stimme eine blasphemische Parodie auf eine christliche Messe!!!
    Das Entsetzen war groß. Ein junger Mensch war hier der Reinheit seiner Seele beraubt worden. Zorn wogte auf gegen die Verursacher und Verführer: die BiS-Horde, welche nun – in Anbetracht ihrer prekären Lage – den schnellen Rückzug antrat und fluchtartig das Lokal verließ.

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