Blut im Stuhl", das Fachblatt für den Untergang des Abendlandes, das Trostheft für den einsamen Heimwerker, die Freudenfibel der modernen Hausfrau, das Kronjuwel unter den künstlerischen Leistungen der Menschheit, besungen von zahllosen Dichtern in aller Welt - dieses Blatt, so unmenschlich gut es ist, wird doch von Sterblichen aus Fleisch und Blut gemacht - von uns, der Redaktion, und unseren Schergen.

Die Redaktion

"Blut im Stuhl" wurde Anfang 1994 von einem zunächst kleinen Kreis von Zeichnern und Autoren gegründet und hat seinen Schwerpunkt auf Kurztexten, Comics und Cartoons. Kommerzielle Überlegungen spielten für uns dabei niemals eine Rolle. Uns geht es um die Faszination, um die Möglichkeiten, welche eine eigene, völlig unabhängige Publikation bietet.

"Blut im Stuhl" ist seit jeher kostenlos. Es gibt keine Werbeanzeigen oder sonstigen Einnahmequellen. Die Auflage von zu Glanzzeiten 400 Stück (bei um die 36 A5-Seiten) wird von uns selbst finanziert (durch Lottogewinne und Spekulation mit Sperrholz).

Wir genießen die Freiheit, nach Herzenslust zu dilettieren und auch Inhalte zu veröffentlichen, die unter dem Gesichtspunkt der Vermarktungsfähigkeit keine Chance hätten.

Verbindendes Element unter den Autoren und Zeichnern, deren Kreis im Laufe der Zeit immer wieder durch Gastautoren erweitert wurde, ist eine Vorliebe für das Absurde, Groteske, Skurrile, wobei in den letzten Ausgaben auch etliche eher satirische bzw. politische Beiträge ins Heft genommen wurden - was insofern keinen Bruch darstellt, als auch der "absurde Humor" nur aus einer nicht-oberflächlichen, aufmerksamen und kritischen Beobachtung der realen Welt hervorgehen kann.

Dazu sei noch angemerkt, daß dieser Begriff "absurder Humor" für uns mehr als bloßen Nonsense bedeutet (Nonsense ist nur ein Teil des absurden Humors). Absurder Humor ist in all seiner Verschrobenheit eng mit Realität verknüpft. Er funktioniert nämlich nur in Verbindung mit genauer Beobachtung der Wirklichkeit. Dies wiederum führt dazu, daß absurder Humor - nicht immer, aber oft - in Verbindung mit dem Humor scheinbar ganz entgegengesetzten Stimmungen wie Melancholie und Verzweiflung auftritt. Kafka ist einer der Autoren, welche die Gründer von "Blut im Stuhl" stark beeinflußt haben (ohne jetzt Kafkas Werke mit unseren Pamphleten gleichsetzen zu wollen). Und bei ihm findet man genau diese scheinbare Gegensätzlichkeit: eine Welt, die von Melancholie und Hoffnungslosigkeit geprägt ist, und die dennoch bizarr-komisch und schön ist.

Der Gegensatz ist nur scheinbar, denn unsere ganze Existenz ist so: schön, grotesk, traurig, lustig - eben absurd.

BiS-Gründungsvater Heyoka zitiert dazu gerne Raoul Hausmann: "Wir haben das Recht zu jeder Belustigung, sei es in Worten, in Formen, Farben, Geräuschen! Dies alles aber ist ein herrlicher Blödsinn, den wir bewußt lieben und verfertigen, - eine ungeheure Ironie, wie das Leben selbst: die exakte Technik des endgültig eingesehenen Unsinns als Sinn der Welt!!"

Die düstere Seite gehört also bei uns nicht nur dazu, sondern ist notwendiger Bestandteil des Heftes. Von Anfang an fanden sich daher in "Blut im Stuhl" neben echten Kalauern, Helge Schneiderschen Schnurren und sogar Kinderzeichnungen auch sehr melancholische und eher düster-groteske Beiträge.

Eine Menge Leute finden diese Mischung gut, noch mehr Leute können damit überhaupt nichts anfangen. Uns ist es einerlei, denn klar ist: es macht Spaß! Und: wir müssen ja nichts verkaufen.

;)